Wenn du wissen willst, wo Uruguay nach Leder, Staub und Mate riecht, bist du in Tacuarembó richtig. Keine Meeresküste, kein mondänes Punta del Este – dafür Weite, Vieh und Horizonte, die kaum ein Ende nehmen.
Im größten Departamento Uruguays prägen Viehzucht und das Leben auf dem Campo weite Teile der Landschaft. Die gleichnamige Hauptstadt ist ein guter Ausgangspunkt, um diese Region kennenzulernen.
Die Gaucho-Kultur gehört hier zur Familiengeschichte vieler Menschen. Pferde, überlieferte Fertigkeiten und die Arbeit mit dem Vieh verbinden Vergangenheit und Gegenwart. Besonders sichtbar wird das bei der Fiesta de la Patria Gaucha. Dann kommen Menschen zusammen, um ihre Traditionen zu zeigen, miteinander zu feiern und ihre Geschichten weiterzugeben.
Doch auch außerhalb eines Festes lohnt sich der Blick auf den Alltag. Nicht jeder Reiter ist für Besucher unterwegs, und nicht jedes Feuer wird für eine Vorführung entzündet.
Das Rätsel um Carlos Gardel: Im grünen Valle Edén begegnet dir der berühmte Tangosänger gleich mehrfach. Das Museo Carlos Gardel befindet sich in einer ehemaligen Pulpería, einem früheren Laden und Treffpunkt der Landbevölkerung. Es zeigt Dokumente und Erinnerungsstücke, die seine Verbindung zur Region beleuchten.
Über Gardels Geburtsort wird seit Langem gestritten. Neben seiner französischen Herkunft wird besonders hier die Auffassung vertreten, dass er in Tacuarembó geboren wurde. Im Museum lernst du diese uruguayische Sicht kennen. Die Geschichte gehört zum Tal, ohne dass wir das Rätsel an dieser Stelle endgültig lösen müssen.
Die Laguna de las Lavanderas: Der Name erinnert an die Wäscherinnen, die hier früher ihre Wäsche wuschen. Heute ist das Gewässer nahe dem Stadtzentrum ein Ort für Spaziergänge und Pausen im Grünen. Zur Fiesta de la Patria Gaucha verändert sich die Atmosphäre: Dann wird die Umgebung zum Schauplatz eines der bekannten Traditionsfeste Uruguays.
In Tacuarembó passen viele Gerichte zum ländlichen Leben. Fleisch vom Feuer und ein Mate in Gesellschaft gehören dazu, wie auch die Geduld, die ein gutes Essen manchmal verlangt.
Asado con Cuero: Bei dieser traditionellen Zubereitung bleibt die Rinderhaut am Fleisch. Gegart wird langsam und mit Erfahrung im Umgang mit der Glut. Die Haut hilft dabei, das Fleisch vor dem Austrocknen zu schützen. Wenn du bei einem ländlichen Fest oder einer Einladung Gelegenheit zum Probieren bekommst, lernst du eine besondere Form der Asado-Tradition kennen.
Dulce de Leche: Auch etwas Süßes darf zum Abschluss auf den Tisch. Milch und Zucker werden dafür langsam eingekocht, bis eine dicke, karamellfarbene Creme entsteht. Hausgemachte Varianten können sich in Farbe, Geschmack und Konsistenz unterscheiden. Vielleicht begegnet dir eine, deren Rezept schon lange in der Familie weitergegeben wird.
Mate auf dem Campo: Der Mate begleitet viele Menschen bei der Arbeit und in den Pausen. Ob kräftig oder milder, frisch aufgegossen oder schon mehrfach nachgefüllt, jeder hat seine Gewohnheiten. Wenn dir jemand einen Becher anbietet, ergibt sich daraus vielleicht mehr als nur eine kurze Erfrischung: ein Gespräch und ein kleiner Einblick in das Leben vor Ort.
Nun führt dich die Reise nach Nordosten nach Rivera. Dort begegnen sich Uruguay und Brasilien mitten im Stadtalltag. Nach den weiten Landschaften des Binnenlandes entdecken wir, wie selbstverständlich Menschen mit einer Grenze leben können, die stellenweise nur eine Straße voneinander trennt.