Das Bergische Land
Wenn man von der rauen Eifel weiterzieht und das Rheinland quert, um in das Bergische Land einzutauchen, verändert sich die Szenerie auf eine ganz eigene, charmante Art:
Plötzlich öffnen sich tiefe, grüne Bachtäler – die sogenannten Seifen –, dichten Wälder wechseln sich mit saftigen Wiesen ab, und überall begegnen dir die typischen, tiefschwarzen Fachwerkhäuser mit ihren schneeweißen Balken und den leuchtend grünen Fensterläden (Bergische Schieferhäuser).
die Historie - Von Grafen, Tuchmachern und dem frühen Erfindergeist
Die Geschichte des Bergischen Landes ist eng mit den Grafen und späteren Herzöugen von Berg verknüpft, die von ihrer Stammburg auf Schloss Burg über die Jahrhunderte ein mächtiges Territorium lenkten. Doch das wahre Lebenselixier dieser Region war der Wasserreichtum: An den zahllosen Bächen klapperten schon im Mittelalter die Mühlen.
Hier schlug das Herz der frühen Industrialisierung, lange bevor das Ruhrgebiet den Takt angab. Im Wupperraum wurde gesponnen, gewebt, geschmiedet und geschliffen. Weltberühmt wurde die Region durch die Klingen- und Schneidwarenindustrie rund um Solingen ("Die Klingenstadt"), während im Tal der Wupper die erste einshombahn der Welt – die Wuppertaler Schwebebahn – den technischen Fortschritt einläutete. Die Menschen mussten sich diesen oft steilen, steinernen Boden hart erarbeiten, was einen tiefen, zähen Fleiß und einen ganz eigenen Erfindergeist prägte.
Die Menschen - Bodenständig, heimatverbunden und mit scharfen Verstand
Der Bergische Mensch ist auf den ersten Blick vielleicht ein wenig verschlossen, aber von einer tiefen, herzlichen Verlässlichkeit geprägt. Man schätzt klare Verhältnisse, redet nicht lange um den heißen Brei herum und ist stolz auf die wunderschöne, hügelige Heimat.
Dazu kommt eine sprichwörtliche Genussfähigkeit: Wer hart arbeitet, weiß auch, wie man das Leben feiert. Ob bei einer traditionellen Kaffeetafel im Nachmittagssonnenlicht oder bei einer zünftigen Runde in einer alten Schieferkneipe – die Geselligkeit wird hier großgeschrieben, und die Tür steht für Gäste, die sich auf die Kultur einlassen, weit offen.
Versteckte Kleinode - Orte abseits der Reiseprospekte
Während Schloss Burg, der Kölner Dom in direkter Nachbarschaft oder die Müngstener Brücke (die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands) natürlich bekannt sind, zeigt das Bergische Land seine intimsten Seiten abseits der großen Straßen:
- Das historische Dörfchen Gräfrath (Solingen)
Während die Solinger Innenstadt modern ist, steht dieser alte Stadtteil unter Denkmalschutz. Der Marktplatz, umgeben von wunderschönen Schieferhäusern und der Klosterkirche, atmet pure Idylle. - Das wildromantische Felderbachtal (Sprockhövel/Hattingen-Rand)
Ein absolut stilles, von dichtem Wald eingerahmtes Bachtal, in dem man stundenlang wandern kann, ohne auf viele Menschen zu treffen, vorbei an alten, moosbewachsenen Bruchsteinmauern. - Die Sengbachtalsperre im Frühnebel
Eingebettet in die tiefen Wälder südlich von Solingen bietet dieser alte Stausee auf schmalen Wanderpfaden eine fast kanadisch anmutende Einsamkeit und Ruhe. - >Das Örtchen Dabringhausen und die Dhünntalsperre
Rund um die riesige Talsperre gibt es versteckte Pfade, die durch dichte Buchenwälder führen und den Blick auf spiegelklare Wasserflächen freigeben. - Das Kirchdorf Lindlar-Linde
Abseits des Freilichtmuseums zeigt sich hier das traditionelle bergische Leben in seiner ursprünglichsten Form, mit alten Gehöften, die sich harmonisch in die hügelige Landschaft einfügen.
Regionale Küchen-Spezialitäten: Herzhaft, süß und legendär
Die bergische Küche ist bodenständig, nahrhaft und hat eine weltberühmte süße Tradition hervorgebracht
- Die Bergische Kaffeetafel ("Dröppelminz")
Mehr als nur ein Essen, es ist eine soziale Institution. Aufgetischt wird eine immense Vielfalt: Rosinenstuten (Schwarze Brötchen), Butter, Quark, Honig, verschiedener Aufschnitt, Reisbrei mit Zimt und Zucker, Eierkuchen (Waffeln) mit heißen Kirschen und dazu der Kaffee aus der namensgebenden Zinnkanne (der "Dröppelminz", die beim Ausgießen so schön tropft). - Bergische Waffeln
Herzförmige, knusprige Waffeln, die traditionell heiß mit Milchreis, Kirschen und Sahne serviert werden – ein absoluter Traum an einem herbstlichen Nachmittag. - Panhas
Ein traditionelles Gericht aus der Schweineschlachtung. Schweineblut, Fleischbrühe, Buchweizenmehl und Speck werden gekocht, in Scheiben geschnitten und in der Pfanne knusprig ausgebraten, meist serviert mit Rübensirup und Kartoffeln. - Kottenbutter
Die klassische Zwischenmahlzeit der Solinger Schleifer: Ein helles Brötchen, bestrichen mit reichlich scharfen Senf, belegt mit einer dicken Scheibe Mettwurst und einer Zwiebelring-Schicht. - Ein Klüterken (Kräuterschnaps)
Nach einem deftigen Essen oder einem Spaziergang durch den kalten Wind sorgt der lokale Kräuterschnaps für die nötige innere Wärme.
